Förderverein zur Erhaltung der Dorfkirche Pinnow e.V.


Ausstattung der Dorfkirche von Pinnow vor Usedom / Vorpommern



Noch alle ihre Geheimnisse bewahren konnten die unter dickem Kalkputz verborgenen Freskenmalereien, die Künstler vergangener Jahrhunderte an den inneren Kirchenwänden hinterließen, die aber durch Feuchtigkeit zunehmend gefährdet sind.
Anläßlich einer restauratorischen Voruntersuchung konnten 1993 bisher neun (9) Fassungen der Innenraum-Auskleidung festgestellt werden. Am meisten ausgemalt erscheint hier die Ostwand (Altarraum).

Erfreulicherweise fanden sich noch als 1. Fassung aus mittelalterlicher Zeit im gesamten Innenraum Rankenmalereien und aufgemalte Steinquader (ähnlich in Groß Bisdorf und Reinberg). Möglicherweise aus der Renaissance stammen die Reste der 2. Fassung (zur Zeit des Altartisches 1602 ? )und kann in ihrer Ausdehnung ohne weitergehende Untersuchungen nicht weiter beurteilt werden.

Reste einer barocken Vorhangsmalerei belegen die 3. Fassung im Bereich der Ostwand.

In dieser Patronatskirche findet sich als ältestes Zeugnis, in die Nordwand eingelassen und das ehemalige Nord- oder Frauenportal verschließend, die Doppelgrabplatte der Familie von Stedingk (1368), deren Nachfahren in der Schwedenzeit an den schwedischen Königshof gingen und dort im 17. bis 19. Jahrhundert wichtige Ämter innehatten.


Grabplatte für Niklas von Klempzen Doppelgrabplatte der Familie Stedingk
Grabplatte für Niklas von Klempzen Doppelgrabplatte der Familie Stedingk


Besonders bedeutend ist auch eine in den Boden der Kirche eingelassene Steinplatte zum Gedenken an Niklas von Klempzen, welche seine Witwe, Magdalena von Bonow, 1555 gestiftet hat. Nik(o)la(u)s von Klempzen (ca 1504 – † 1552 in Stolp/Hinterpommern), besaß u.a. die Güter Pinnow, Bömitz und Klitschendorf. Er war Landrentmeister unter Herzog Georg I von Pommern und Chronist der pommerschen Geschichte. Maßgeblich beteiligte er sich an der ersten Sammlung zur Geschichte Pommerns, des Thomas Kantzow -. 1505 Stralsund – 1542 Stettin (um 1538 hochdeutsche Version der „Fragmenta der pomerischen Geschichte")

Grabplatte der Familie Steding Besonders erwähnenswert sind die nun auch durch die Inschriftenstelle der Universität Greifswald untersuchten Bruchstücke einer 2,70 x 1,60 Meter großen Grabplatte der Familie von Stedingk aus dem Jahr 1415.
Grabplatte Vico und Margarete Steding


Grabplatte der Familie Steding - Detail Fuss
In dieser Größe findet man Grabplatten sonst eher in bedeutenden Kirchen oder Klöstern. Das aufregende an dieser Grabplatte ist auch die künstlerische Gestaltung: Im Gegensatz zu der noch starren Darstellung des verstorbenen Paares auf der Grabplatte in der Nordwand (1368) finden sich auf den Bruchstücken der jüngeren Platte (1415) Hinweise auf den Einfluß der Renaissance: Eine leichte Bewegung wird angedeutet: ein Fuß ist Standbein, der andere Spielbein, die abgebildeten Personen werden leicht einander zugewandt dargestellt.
Bruchstück Grabplatte Steding linker Fuß angehoben



Grabplatte der Familie Steding - Detail Fuss Die umgebende Architekturdarstellung zeigt bei genauer Betrachtung bereits die Benutzung von Durchblicken und räumlicher Darstellung.
Ganz überrascht waren die Experten, dass sich eine fast gleichgroße Grabplatte mit sehr ähnlichen bildhauerischen Merkmalen im Kloster Eldena befindet.
Bruchstück rechts oben mit räumlicher Architekturdarstellung


Es gilt als wahrscheinlich, dass die Grabplatte aus Pinnow und die Grabplatte aus Eldena aus ein und derselben Bildhauerwerkstatt stammen!
Das wäre der erste und bisher einzige Nachweis aus dem frühen 15.Jhdt. für ganz Pommern.